Verabschieden

März 26, 2008 von martinakage

Seit einigen Tagen bin ich nur am Essen. Das ist immer ein Zeichen für mich das ich etwas nicht fühlen möchte. Ich konnte mir einfach nicht erklären – in welche Richtung ich suchen könnte.Ich gehe dann meist auf youTube und stöbere dort so ein wenig herum. Ich bin dann bei Xavier Naidoo gelandet und habe das Lied Abschied angeklickt. Musik hilft mir ins Gefühl zu kommen, wenn ich zu sehr im Kopf bin.
Dann war ich mitten im Zentrum meines Schmerzes. Da war mir klar, warum ich soviel Esse. Ich habe Angst meine Schwester loszulassen und das auch noch zu fühlen. Ich werde in 2 Tagen meine Schwester verabschieden. Sie ist vor 6 Jahren gestorben. Ich habe Sie in all den Jahren festgehalten – nicht wahr haben wollen das Sie Tod ist. Ich habe einen Blumenstrauß von meiner Schwester geschenkt bekommen bevor Sie starb.

Meine Freundin kommt aus Kärnten und hilft mir bei einem Ritual mit diesem Blumenstrauß.

Sie wird mich dabei unterstützen den Schmerz voll und ganz zu erleben. So das ich nicht die Möglichkeit habe abzubrechen. Es werden Worte des Abschieds gesprochen und das anerkennen ihres Schicksales. Astrid wird sie mir vor sagen, ich werde sie nachsprechen. So kann ich mich voll und ganz meinen Gefühlen widmen. Diesen werde ich in unserem Heimatort dem Wind und dem Wasser übergeben.

Loslassen – der Blumenstrauß ist für mich das Symbol des festhalten`s gewesen.

Ich finde es phänomenal, wie unser Körper und unsere Seele funktionieren. Wir haben als Kind irgendwann einmal entschieden:

“ Nein Danke, das will ich nicht mehr fühlen“

Wir haben dieses Gefühl – hier bei mir – die Trauer, einfach in den Körper verschoben. Heute macht sich das verschieben von Gefühlen in verschieden Formen wieder sichtbar. Bei jedem ist dies jedoch unterschiedlich – z.b. durch Krankheit, Alkohol, Drogen, Rauchen Bewegungslosigkeit, durch ein anderes Gefühl ersetzen z.b. Scham, Wut – Aggression, u.s.w. Ich habe nie die Scheidung meiner Eltern verkraftet. Niemand hat mit mir darüber gesprochen. Ich war so Traurig und hatte niemand der mit mir über meine Trauer sprach – der mich Tröstete. Mir erklärte was da passiert war. Ich war noch sehr klein und verstand absolut nix. Ich hatte schon als Kind die Musik gewählt, als Kanal für meine Gefühle. So hörte ich oft von Andrea Jürgens:“ und dabei Liebe ich euch beide„. Bei diesem Lied konnte ich ein teil meiner Tränen fließen lassen. Mein Leben zerbrach wie ein Kartenhaus. Ich wusste nicht wohin mit meiner Trauer als sie in meinem Körper zu behalten – zu verschieben. Ich durfte nicht zu meiner Großmutter als sie gestorben war, um mich von ihr zu verabschieden. Es gäbe noch unzähliges auf zu listen – doch was ich sagen möchte damit ist:

“ Trauer war nicht angesagt“ – „Gefühle zu zeigen, war auch nicht angesagt“

Ich habe als Kind nicht gelernt was es heißt:“ Trauer zu fühlen“ sie ganz und gar zu fühlen. Ich habe stattdessen – meine Trauer in meinem Körper vergraben. Heute weiß ich darum, um dieses Leid. Ich unterstütze heute die Kinder mit denen ich Arbeite, deren Trauer zu fühlen und andere Gefühle zu fühlen und sich darin mitzuteilen.

In unserer Gesellschaft ist das zeigen von Gefühlen immer noch nicht angesagt. Ist ja auch irgendwie klar, den wenn ein anderer seine Gefühle zeigt, erinnert er mich ja an mein Gefühl das ich in meinen Körper verschoben habe, das ich nicht mehr fühlen möchte. Also verbiete ich dem anderen es mir zu zeigen. Ich werde an mein Gefühl das ich nicht mehr haben will erinnert und das ist ja was ich nicht mehr möchte. Habe ich als Kind ja so entschieden. Denken wir nur an die Wut, ein natürliches Gefühl- jedoch sehr verboten. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern warum unsere Jugendlichen so drauf sind.

Ich habe meinem Leiden einen Sinn gegeben.

Es entstand die Fähigkeit: “ Mitgefühl“

Zum Verständnis:“ ich häge keinen Groll durch meine Vergangenheit – im gegenteil, ich bin in einer tiefen Dankbarkeit. Den ohne dieses Leiden, hätte ich nicht bestimmte Fähigkeiten entwickeln können. Wir werden selten so erzogen, das wir diese Fähigkeiten entwickeln können. Das liegt auch an der Zeit in der wir geboren wurden. Ich glaube, die Menschen die im Krieg geboren wurden z.b. ist es wahrlich schwer Mitgefühl zu lernen. Später ist das möglich, nicht jedoch zu diesem Zeitpunkt. Wenn wir nicht in Lage sind unserem Leiden einen Sinn zu geben, ist es fast unmöglich Glücklich zu sein, weil wir uns damit aufhalten unserem Leid futter zu geben, in dem wir Situationen erschaffen die Gefühle auslösen, die unserem Leid Gefühl ähnlich sind.
Welche Fähigkeit konntest du durch dein Leid entwickeln?

Von der Natur lernen

März 23, 2008 von martinakage

Ich war über Ostern Zeltern. Das machen wir jetzt seit 20 Jahren. Gleiche zeit, gleicher Platz mitten in der Natur, gleiche Menschen.
Doch dieses Jahr war alles anders.

Es war kalt, es hat geschneit. Alles war nass. Wir sind geblieben.

Es war so egal, ob meine Haare gut aussehen, ob meine Kleidung gut aussieht, u.s.w.

Wichtig war nur – mich und mein Kind so zu versorgen, das wir nicht Krank werden. Ich habe darauf geachtet das unsere Körper Trocken und warm waren. Das wir ausreichend Trinken und das warm. Den die Getränke waren Eisig kalt.

Ich habe mir vorgestellt:“ was wäre wen dies mein Leben wäre, so zu leben?“.

Vieles ging mir durch den Kopf. Hauptsächlich – wie ich gerade lebe.

Zuhause angekommen – merke ich wie Dankbar ich bin. Dankbar für die vielen Dinge im Leben die für uns so normal sind.

Um beim Zelten, einen guten Kaffee trinken zu können oder sich zu waschen, muss ich erst Holz haben um Feuer zu machen, Wasser um es zu erwärmen. Das braucht auch alles seine zeit. Ohne eine Struktur – geht da gar nix.

Das Holz musste aus einem Wald geholt werden, alles Bergauf. Man musste sich schon gut überlegen, wann man das machte. Alles war nass und der Boden war rutschig. Also erst wen die Sonne alles ein wenig getrocknet hatte ( die nicht allzu lange da war), musste man es erledigen. Man wusste nur ungefähr wann es wieder zu schneien oder zu regnen begann.

Man musste nasse Schuhe trocknen, wenn es mal gerade nicht Regnete oder Schneite. Ich hatte zwar viele Schuhe dabei, doch allzu lange waren die nicht Trocken geblieben bei meinem Kind. Alle 2 Stunden musste man diese wechseln.

Nasse Decken – jetzt ein Trockner das wäre schön.

Ich fühle mich als ob ich aus einer anderen zeit gekommen bin.

Ich bin wieder in meiner Wohnung und bin für so vieles Dankbar.

Ich überdenke plötzlich mein Leben neu. Stelle mir neue Fragen.

Ich fühle das sich etwas in mir verändert hat. Ich weiß noch nicht genau was, doch irgend etwas ist anders in mir. Ich bin sehr berührt durch meine Dankbarkeit.

Nichts ist mehr selbstverständlich für mich. Irgendwie ist alles gerade wie ein Wunder für mich. Ich gehe so durch meine Wohnung wie ich es schon immer getan habe und doch entdecke ich alles neu.

Ich überlege: „was brauche ich wirklich“

Lernen leicht gemacht

Januar 6, 2008 von martinakage

Ich sollte den Morgenkreis im Kindergarten für 1 Woche übernehmen. Ich hatte keine Lust auf Spiele. Ich hatte Lust auf Bewegung. Also da ich sehr Spontan bin, sagte ich: „wir singen jetzt das ABC“. Ich wusste zwar noch nicht wie, aber gesagt ist gesagt.

Wir standen alle auf und sangen einfach drauf los: ABCDEFG……….., das Z, sangen wir alle Lauter als die anderen Buchstaben. Mal sangen wir die Buchstaben laut und das Z ganz leise, mal sangen wir die Buchstaben ganz leise und das Z wieder ganz laut. Wir ließen uns ständig etwas neues einfallen wie wir es singen konnten.

Wir liefen alle im Raum herum und bewegten uns so wie wir sangen, mit vollem Körpereinsatz. Es machte einen morts Spaß. Mir war nicht bewusst, was ich damit auslöste.

Nach dem Morgenkreis sangen einige Kinder einfach weiter.

Als ich 3 Wochen später wieder in diese Einrichtung kam, fragte man mich:

„ was hast du mit den Kindern gemacht“?.

Man erzählte mir, das einige Kinder Zuhause und überall dieses Lied sangen.

So kam ich auf folgende Idee:

Meine Tochter ist jetzt in die 3. Klasse gekommen und hat ein neues Fach: English.

Jetzt habe ich mir überlegt, „ wie kann ich ihr am leichtesten diese Sprache näher bringen“.

Da Celine gerne Tanzt und Musik hört und die Kinder im Kindergarten das ABC durch Singen und Tanzen leicht lernen konnten, dachte ich das funktioniert dann vielleicht auch bei meinem Kind. Also tat ich folgendes:

Ich gehe auf:

Youtube

 

klicke einen Song in English der langsam und deutlich ausgesprochen wird an,

z.b. Dear Mr President – von Pink,

Klicke auf Lyrics Songtexte,

Drucke den Text,

gehe noch mal auf Lyrics, Drucke die Deutsche Übersetzung,

Ordne das ganze in einen Ordner ab.

Jetzt kann Celine selbstständig und/oder mit mir zusammen in YouTupe die Lieder anhören und mitlesen.

Für fortgeschrittene ist das neue Lied von Santana und Chad Kroeger: Into the Night, eine super Übung. Hier lässt niemand mehr die Hüften auf dem Stuhl.

Man könnte hier auch einen Wettstreit machen: “wer macht die wenigsten Hopser”

Celine hört natürlich ihre eigene Musik auf die sie Tanz. Diese Musik Drucke ich auch aus und durch das Wiederholen lernt sie die Texte auswendig.

Wichtig ist nur: das ich mit ihr zusammen die Texte erst mal lese, so kann sich nichts einschleichen an falscher Aussprache.