Seit einigen Tagen bin ich nur am Essen. Das ist immer ein Zeichen für mich das ich etwas nicht fühlen möchte. Ich konnte mir einfach nicht erklären – in welche Richtung ich suchen könnte.Ich gehe dann meist auf youTube und stöbere dort so ein wenig herum. Ich bin dann bei Xavier Naidoo gelandet und habe das Lied Abschied angeklickt. Musik hilft mir ins Gefühl zu kommen, wenn ich zu sehr im Kopf bin.
Dann war ich mitten im Zentrum meines Schmerzes. Da war mir klar, warum ich soviel Esse. Ich habe Angst meine Schwester loszulassen und das auch noch zu fühlen. Ich werde in 2 Tagen meine Schwester verabschieden. Sie ist vor 6 Jahren gestorben. Ich habe Sie in all den Jahren festgehalten – nicht wahr haben wollen das Sie Tod ist. Ich habe einen Blumenstrauß von meiner Schwester geschenkt bekommen bevor Sie starb.
Meine Freundin kommt aus Kärnten und hilft mir bei einem Ritual mit diesem Blumenstrauß.
Sie wird mich dabei unterstützen den Schmerz voll und ganz zu erleben. So das ich nicht die Möglichkeit habe abzubrechen. Es werden Worte des Abschieds gesprochen und das anerkennen ihres Schicksales. Astrid wird sie mir vor sagen, ich werde sie nachsprechen. So kann ich mich voll und ganz meinen Gefühlen widmen. Diesen werde ich in unserem Heimatort dem Wind und dem Wasser übergeben.
Loslassen – der Blumenstrauß ist für mich das Symbol des festhalten`s gewesen.
Ich finde es phänomenal, wie unser Körper und unsere Seele funktionieren. Wir haben als Kind irgendwann einmal entschieden:
“ Nein Danke, das will ich nicht mehr fühlen“
Wir haben dieses Gefühl – hier bei mir – die Trauer, einfach in den Körper verschoben. Heute macht sich das verschieben von Gefühlen in verschieden Formen wieder sichtbar. Bei jedem ist dies jedoch unterschiedlich – z.b. durch Krankheit, Alkohol, Drogen, Rauchen Bewegungslosigkeit, durch ein anderes Gefühl ersetzen z.b. Scham, Wut – Aggression, u.s.w. Ich habe nie die Scheidung meiner Eltern verkraftet. Niemand hat mit mir darüber gesprochen. Ich war so Traurig und hatte niemand der mit mir über meine Trauer sprach – der mich Tröstete. Mir erklärte was da passiert war. Ich war noch sehr klein und verstand absolut nix. Ich hatte schon als Kind die Musik gewählt, als Kanal für meine Gefühle. So hörte ich oft von Andrea Jürgens:“ und dabei Liebe ich euch beide„. Bei diesem Lied konnte ich ein teil meiner Tränen fließen lassen. Mein Leben zerbrach wie ein Kartenhaus. Ich wusste nicht wohin mit meiner Trauer als sie in meinem Körper zu behalten – zu verschieben. Ich durfte nicht zu meiner Großmutter als sie gestorben war, um mich von ihr zu verabschieden. Es gäbe noch unzähliges auf zu listen – doch was ich sagen möchte damit ist:
“ Trauer war nicht angesagt“ – „Gefühle zu zeigen, war auch nicht angesagt“
Ich habe als Kind nicht gelernt was es heißt:“ Trauer zu fühlen“ sie ganz und gar zu fühlen. Ich habe stattdessen – meine Trauer in meinem Körper vergraben. Heute weiß ich darum, um dieses Leid. Ich unterstütze heute die Kinder mit denen ich Arbeite, deren Trauer zu fühlen und andere Gefühle zu fühlen und sich darin mitzuteilen.
In unserer Gesellschaft ist das zeigen von Gefühlen immer noch nicht angesagt. Ist ja auch irgendwie klar, den wenn ein anderer seine Gefühle zeigt, erinnert er mich ja an mein Gefühl das ich in meinen Körper verschoben habe, das ich nicht mehr fühlen möchte. Also verbiete ich dem anderen es mir zu zeigen. Ich werde an mein Gefühl das ich nicht mehr haben will erinnert und das ist ja was ich nicht mehr möchte. Habe ich als Kind ja so entschieden. Denken wir nur an die Wut, ein natürliches Gefühl- jedoch sehr verboten. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern warum unsere Jugendlichen so drauf sind.
Ich habe meinem Leiden einen Sinn gegeben.
Es entstand die Fähigkeit: “ Mitgefühl“
Zum Verständnis:“ ich häge keinen Groll durch meine Vergangenheit – im gegenteil, ich bin in einer tiefen Dankbarkeit. Den ohne dieses Leiden, hätte ich nicht bestimmte Fähigkeiten entwickeln können. Wir werden selten so erzogen, das wir diese Fähigkeiten entwickeln können. Das liegt auch an der Zeit in der wir geboren wurden. Ich glaube, die Menschen die im Krieg geboren wurden z.b. ist es wahrlich schwer Mitgefühl zu lernen. Später ist das möglich, nicht jedoch zu diesem Zeitpunkt. Wenn wir nicht in Lage sind unserem Leiden einen Sinn zu geben, ist es fast unmöglich Glücklich zu sein, weil wir uns damit aufhalten unserem Leid futter zu geben, in dem wir Situationen erschaffen die Gefühle auslösen, die unserem Leid Gefühl ähnlich sind.
Welche Fähigkeit konntest du durch dein Leid entwickeln?